Autobahn, stockender Verkehr.

Der Kaffee dampft im Becher.

Im Rückspiegel sehe ich einen schwarzen Kombi von Spur zu Spur hüpfen, während ich im zweiten Gang mit Standgas vor mich hin rolle.

Als sich die Fahrbahn auf eine Spur verengt, klebt er mir am Heck. Oder fast schon IM Heck.

In der Baustelle gilt Tempo 60. Die flackernde Lichthupe setzt mich in Kenntnis: Die Reise möge doch bitte zügiger fortgesetzt werden.

Am Ende der Baustelle heult der Motor hinter mir auf. Der schwarze Kombi schießt an mir vorbei, um sofort scharf hinter einem Lkw zu bremsen. Mit drei Metern Abstand klebt der Kombi am Laster.

Auch ich setze zum Überholen an. Als der Lkw einschert, zuckt mein Fuß kurz auf dem Gaspedal. Aber mit meinem T5 käme ich dem Kombi eh nicht hinterher.

weißer t5 an einer straße in einer waldlandschaft

Keine zwei Kilometer später: meine Ausfahrt.

An der Ampelkreuzung steht, richtig –

der schwarze Kombi.

Mit einem Mann am Steuer.

Als ich hinter ihm zum Stehen komme, muss ich lachen. Sarkastisch strecke ich ihm auch noch ein „Daumen hoch“ entgegen.

Und dann fällt mir auf: Leicht, sich über ihn lustig zu machen.

Schwieriger: der Moment, in dem mein Fuß auf dem Gaspedal zuckte.

Denn irgendwo kennen wir das alle. Diesen kurzen Moment des Drucks, mitzuziehen. Nicht zurückzustecken. Bloß nicht der sein, der überholt wird.

Und das Anstrengendste: Es hört nie auf.

Der Mann im Kombi rast sofort wieder los. Sucht die nächste Lücke, den nächsten Vorsprung, den nächsten, den er abhängen kann. Er wird nie ankommen, weil Ankommen nicht vorgesehen ist.

Ich kenne das von innen. Dieses ständige Prüfen: Reicht das? Bin ich genug? Steht da einer, der mich übertönt? Der mich in den Schatten stellt?

Wie ein zweiter Vollzeitjob, den keiner bezahlt und den du nicht kündigen kannst. Und dann stellst du auch noch fest: Du hast dich nie auf so einen Job beworben.

Und so einen Mann im Kombi findest du nicht nur auf der Autobahn.

Es gibt ihn auch in der Teamsitzung, in der er ungefragt erklärt, warum seine Idee die beste ist. Oder er steht am Tresen und redet lauter als nötig. Oder sitzt bei der Familie und muss recht behalten, um jeden Preis.

Immer dasselbe Muster: viel Motor, wenig Richtung.

Und wenn wir ehrlich zu uns sind, sitzen auch wir manchmal in so einem Kombi. Ohne dass uns jemand gefragt hätte, ob wir dieses Rennen überhaupt mitfahren wollen.

Und am allerwenigsten: wir uns selbst.

Noch an der Ampel schleicht sich eine Frage an mich heran: Warum?

Die Raserei, das Drängeln, die Lichthupe – und am Ende stehen wir an der gleichen Ampel.

Ich entspannt, einen Schluck Kaffee trinkend. Er gefrustet, mit aufheulendem Motor.

Wofür eigentlich der ganze Wettbewerb? Warum immer Erster sein?

Und die Frage, die alles ins Rutschen bringt: Was passiert, wenn ich das Rennen einfach mal nicht mitfahre?

Spoiler: Es passiert nicht viel.

Lange dachte ich, diese Männer in den Kombis hätten etwas, das mir fehlt. Diese Selbstverständlichkeit. Diesen Zugriff auf jeden Raum, jedes Gespräch, jede Lücke im Verkehr.

Ein ständiger Wettbewerb mit anderen. Unbekannten. Die vielleicht männlicher oder schneller oder dominanter sein könnten.

Und dieser ständige Wettbewerb zehrt an den Nerven und den Kräften.

Es dauerte einige Jahre, bis ich verstand: Verzichte ich auf diesen Wettbewerb, ist da nichts, was mir fehlt.

Diese Männer, wie der im Kombi, sind nicht frei. Sie sind getrieben.

Getrieben vom Drang nach Dominanz. Denn nur wer der Erste ist, gewinnt.

Eine zweite Frage schleicht sich an: Was ist denn der Gewinn?

Die Ampel springt auf Grün. Motor und Räder des schwarzen Kombis heulen auf.

Der Wagen schießt nach vorn.

Unzweifelhaft: den Start hat er gewonnen.

Siebenhundert Meter weiter: Eine rote Ampel.

Ich gönne mir einen weiteren Schluck meines Kaffees. Langsam rolle ich auf die Kreuzung zu, komme neben dem schwarzen Kombi zum Stehen.

Und mir wird klar: Es gibt keinen Gewinn.

Witzige Geschichte, oder?

Aber was hat der Mann im schwarzen Kombi mit dir zu tun?

Nicht viel, nehme ich an.

Aber du kennst den Wettbewerb, oder? Das mulmige Gefühl im Meeting, wenn der Lauteste den Raum einnimmt. Beim Bäcker, wenn zwei hinter dir alles übertönen. Beim alten Kumpel, der nur noch in Statusmeldungen spricht.

Du bist nicht der Mann im Kombi.

Du bist der, der keine Lust mehr auf das Gebrüll hat.

Und du bist damit nicht allein.

Jetzt käme der Teil, in dem ich dir die Lösung verkaufe. Fünf Schritte aus dem Hamsterrad. Der Ausstieg in 30 Tagen.

Den Teil erspare ich dir. Denn den gibt es nicht.

Ich habe keinen Plan, keine Methode, keine Checkliste. Ich habe nur die Erfahrung, dass es sich ohne das Rennen und den konstanten Wettbewerb leichter atmet. Und die Vermutung, dass es dir ähnlich gehen könnte.

Der Weg raus ist bei jedem anders. Aber suchen muss ihn keiner allein.

Deshalb lade ich dich ein.

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